Ich bin zurück – mein Jakobsweg 2014

Ihr Lieben, ich melde mich zurück – tiefenentspannt, erholt, geerdet, innerlich sehr aufgeräumt, glücklich, ausgeglichen und mit vielen großartigen Erfahrungen und Begegnungen in meinem Herzen 🙂 Eine Weile bin ich zwar schon wieder zu Hause, aber so richtig im Alltag lande ich nur sehr langsam…

20140519_Camino

Ich bin gelaufen. 800 km von St.-Jean-Pied-de-Port in Frankreich nach Santiago de Compostela im Westen Spaniens. Obwohl ich wahrscheinlich auf den ersten Blick nicht wie jemand wirke, der mit dem Rucksack durch die Gegend zieht und in Stockbetten schläft, hat mir diese Art zu reisen sehr gut gefallen. Und einfach zu laufen war für mich sehr entspannend. Ich musste nichts planen, nichts überlegen – einfach laufen. So hatte ich ganz wunderbar entspannte fünf Wochen. Mit der Aussicht auf einen so langen Urlaub und die zahllosen Kilometer, die ich anfangs noch vor mir hatte, habe ich vom ersten Tag an abgeschaltet und einfach in den Tag hinein gelebt. Nicht auf das Ankommen hingefiebert, sondern einfach jeden Tag für sich genossen. Wo ich zu Hause immer gerne zwei Schritte voraus plane, konnte ich auf dem Camino nun einfach in den Tag hineinleben und die Dinge auf mich zukommen lassen.

Es war sicher nicht immer einfach. 800 km in 32 Tagen, jede Art von Wetter über Schnee, Sturm, Hagel und auch Hitze, wunderbare und interessante Begegnungen und Gespräche, zwei Knochenhautentzündungen in den Schienbeinen und ein schlimmes Knie, das mich einige Tage begleitete – trotz (oder gerade wegen) allem eine großartige Erfahrung. Einfach mal alle Zeit der Welt haben, um den Gedanken freien Lauf zu lassen und dabei die Schönheit der Natur zu genießen, war für mich etwas ganz Besonderes. Ich habe den Eindruck, dass ich meine ganzen Gedanken und Erfahrungen einmal richtig ordnen und nochmal verarbeiten konnte. Unbrauchbares konnte ich aussortieren und entsorgen. Und jetzt fühlt es sich alles so geordnet und wohlig an. Ich denke, mir Zeit für meine Gedanken zu nehmen ist etwas, auf das ich künftig in meinem Alltag Acht geben sollte. Und es lässt sich so wunderbar kombinieren, sich dabei mit den Dingen zu beschäftigen, die das Herz froh machen, einen glücklich machen. Ich glaube, das sollte man nie vernachlässigen!

Auf meinem Camino traten Belanglosigkeiten in den Hintergrund. Ich musste mich nicht fragen, was ich heute anziehe oder wie ich aussehe. Wichtig waren nur die paar Habseligkeiten in meinem Rucksack, Verpflegung für den Tag und abends ein Bett zu finden und eine schöne Dusche um den geschundenen Körper auszuruhen. Ich konzentrierte mich auf das Wesentliche und habe ein großes Gefühl der Dankbarkeit erfahren. Wie wenig ist es doch, das man braucht zum Glücklichsein. Und wie gesegnet bin ich doch mit meiner tollen Familie, die mich liebt und voller Vorfreude auf den Tag meiner Rückkehr hingefiebert hat und dann versammelt am Flughafen stand, um mich tränenreich in Empfang zu nehmen. Und meinen Freunden, die mit größtem Interesse meine Erfahrungen mitverfolgt haben und mich immer wieder aufgebaut und ermutigt haben, wenn es mal nicht so gut ging… DAS sind Dinge, die mir im Leben wichtig sind. Viel zu oft tritt dieses Bewusstsein in den Hintergrund bei all den kleinen Alltagsproblemen, mit denen man kämpft. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich ein großes Stück meines Camino-Bewusstseins in meinen Alltag rüberretten kann. Und vielleicht kann ich Euch hier an der ein oder anderen Stelle daran teilhaben lassen 🙂

Alles Liebe für Euch!

Jennie

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5 Kommentare zu „Ich bin zurück – mein Jakobsweg 2014

  1. Hallo Jennie,

    das ist eine eindrückliche Leistung: 800 Kilometer. Wobei vermutlich der Begriff Leistung mit dem Konzept des Pilgerns wohl nicht so ganz zusammenpasst.

    Darf ich etwas fragen? Ich war vor ein paar Wochen selber Pilgern. Nur wenige Tage in Österreich und in einer Gruppe mit anderen Bloggern.

    Obwohl wir jede Menge Spass hatten, brachte mich diese Erfahrung irgendwie nicht weiter. Von Einkehr keine Spur. Auch kein Konzentrieren aufs Wesentliche.

    Hast du das Gefühl, dass mit längerer Reisedauer sich grundsätzlich etwas verändert? Sprich: Muss ich dem Pilgern noch einmal eine Chance geben und das nächste Mal einfach länger unterwegs sein?

    Gruss,
    Oli

    1. Hallo Oli,

      danke Dir für Deinen Kommentar!
      Definitiv glaube ich, dass sich mit längerer Reisedauer etwas verändert. Das Bewusstsein, das sich vom ersten Tag an einstellt, wenn man weiß, dass es eine so große Zeitspanne ist und auch eine unvorstellbare Entfernung, die man vor sich hat, war für mich ein bisher nie dagewesenes. Ans Ziel kommen zu wollen macht dann gar keinen Sinn – man fängt vielmehr an, einfach jeden Tag für sich zu sehen.
      Aber außerdem war auch im Nachhinein gesehen für mich ganz wichtig, alleine loszuziehen. Ich habe sehr viele liebe und gleichgesinnte Menschen kennengelernt und ich war abends nie allein. Aber während des Wanderns über Tag hat es jeder von uns genossen, sich mit sich selbst zu beschäftigen und den Gedanken freien Lauf zu lassen. Ich habe bewusst darauf verzichtet, Musik zu hören, sondern habe mich voll und ganz darauf konzentriert, was sich in meinem Inneren abspielt und dann die Gedanken zu Ende gedacht, die mir zugeflogen kamen. Ich habe versucht, meine Sinne zu nutzen, alles zu spüren, die Gerüche, die Luft, die Einflüsse des Wetters auf der Haut und die Einzigartigkeit der Natur, die sich einem auf dem Camino Frances bietet. Langeweile gab es nie.
      Vielleicht ist bei all dem am Ende aber doch der richtige Zeitpunkt das Entscheidendste. Menschen gehen aus ganz unterschiedlichen Gründen einen Camino und haben daher auch ganz unterschiedliche Erwartungen. Für mich war es der genau richtige Zeitpunkt und ich habe einen großen Wunsch danach verspürt, einfach mal rauszukommen, mich auf mich zu konzentrieren – und das konnte ich. Nicht zuletzt sicherlich auch mithilfe der Menschen, die ich kennengelernt habe.
      Wenn Du das Gefühl verspürst, solltest Du dem Pilgern definitiv noch einmal eine Chance geben und wenn es geht, auch etwas mehr Zeit dafür investieren. Lass es mich dann definitiv wissen 🙂
      Für Fragen stehe ich immer gerne zur Verfügung.
      Liebe Grüße,
      Jennie

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